Die Hochzeit der Grüntöne
Am heutigen Fronleichnam genügt ein leichter Windhauch, um die Blätter zu wenden und das Grün des Schlossparks in immer neuen Schattierungen aufleuchten zu lassen. Was eben noch satt und dunkel wirkte, schimmert plötzlich silbrig, lindgrün oder smaragdfarben.
Inzwischen hat das Grün endgültig die Herrschaft übernommen. Unter den Bäumen wachsen Schatteninseln und dort, wo das Sonnenlicht nur gefiltert bis zum Boden dringt, hat der Gärtner vielerorts der Natur die Regie überlassen.
Wer genauer hinsieht, entdeckt eine stille Nachbarschaftskunde: Brennnesseln teilen ihren Standort bereitwillig mit Storchschnabel, Ehrenpreis und hohen Gräsern. Auch der Gundermann zeigt sich gesellig und wenig wählerisch in seiner Begleitung. Giersch und Vogelmiere dagegen bevorzugen die Eigenständigkeit – sie breiten sich lieber unter ihresgleichen aus und behaupten ihr Revier mit bemerkenswerter Konsequenz.
So erzählt jede Ecke des Schlossparks ihre eigene grüne Geschichte – von Gemeinschaft, Konkurrenz und dem feinen Gespür jeder Pflanze für den Ort, an dem sie sich am wohlsten fühlt.